TSV Burgdorf passt Mitgliedsbeiträge moderat an und führt Arbeitseinsätze bis zu 10 Stunden für aktive Mitglieder ab 18 Jahren ein.
Interview mit Rolf Tameling, Jugendkoordinator und Vorstandsmitglied des TSV Burgdorf
Frage: Der TSV Burgdorf hat kürzlich eine moderate Anpassung der Mitgliedsbeiträge vorgenommen und führt Arbeitseinsätze von bis zu 10 Stunden für aktive Mitglieder ab 18 Jahren ein. Kannst Du uns erklären, warum die Mitgliedsbeiträge in der Fußballabteilung erhöht wurden?
Rolf Tameling: Die Anpassung der Beiträge war schon längst überfällig. Kein Fußballverein kann sich heutzutage noch ausschließlich durch Beiträge finanzieren. Das funktioniert nur noch durch die Unterstützung von Sponsoren. Wir im Vorstand haben vorab sehr genau auf die Ausgaben geschaut und konnten einige Ausgaben reduzieren. Auch wir als Verein haben überall Preiserhöhungen erhalten und die Ausrüster senken ihre Prozentsätze immer weiter. Viele sehen insbesondere im Jugendbereich nur das Trikot und die Hosen an ihren Kindern. Wenn man unsere riesige Anlage sieht, muss man sich auch die Frage stellen, wer pflegt das und wie. Alleine hier sind wir schon locker im fünfstelligen Ausgabenbereich für Dünger, Saatgut, Sand, Beregnungsanlage und Material, zum Beispiel Rasenmäher. Dazu kommen dann unsere Vereinsbusse. Hier übernehmen wir aktuell noch die Spritkosten, aber auch Versicherungen und Reparaturen müssen eingeplant werden. Auch die Gebäude müssen gewartet und geheizt werden. Da wird man schon mal sauer, wenn man sieht, wie in den Kabinen teilweise gehaust wird. Pflichtbeiträge an den NFV oder LSB sind gestiegen und Versicherungen benötigt man ebenfalls im Verein. Auch bei der Ausrüstung der Spielerinnen und Spieler haben wir Preisaufschläge. Jedes Kind benötigt teilweise zwei Trikots und mindestens einen Ball. Ein Jugendtor kostet circa 1.000€ und die Umstellung auf 3 gegen 3 (Kinderfestivals) hat mehrere tausend Euro für Minitore verschlungen.
Frage: Es werden Pflichtstunden eingeführt, die unter Zustimmung der Mitglieder liegen. Wer muss diese ableisten und mit welchen Aufgaben?
Rolf Tameling: Wir schauen da auf alle aktiven Mitglieder ab 18 Jahre. Die Trainer, insbesondere JugendtrainerInnen, lassen wir erst einmal außen vor, wäre aber schön wenn sie bei Aktionen ihres Teams dabei sind.
Den Punkt Pflichtstunden haben wir im Vorstand lange diskutiert. Wir wollen hier zwei Dinge möglichst erreichen. Punkt eins ist die Förderung von Gemeinschaft. Zusammenarbeit für den Verein schweißt über die Mannschaften hinweg zusammen und es entsteht ein anderes Wertegefühl für den Verein. Damit erreichen wir auch die Mitglieder, die sich bisher bei freiwilligen Aufgaben nicht so im Vordergrund gesehen haben. Der zweite Punkt ist Kostensenkung. Wir sehen keinen Sinn darin, externe Firmen für zigtausend Euro zu bezahlen, wenn wir das vereinsintern lösen können. Da geben wir lieber, als Verein, ein bisschen Geld aus für ein anschließendes Kaltgetränk und eine Bratwurst.
Diese Regelung bringt sowohl für den Verein als auch für seine Mitglieder verschiedene Vorteile mit sich:
Für den Verein:
1. Kosteneinsparungen: Durch die Nutzung der Arbeitskraft der Mitglieder kann der Verein Kosten sparen, die sonst für externe Dienstleistungen aufgewendet werden müssten.
2. Effizienzsteigerung: Die Mitglieder, die den Verein und seine Bedürfnisse gut kennen, können oft effizienter arbeiten als externe Dienstleister.
3. Stärkung der Gemeinschaft: Gemeinsame Arbeitseinsätze können das Gemeinschaftsgefühl stärken und die Bindung der Mitglieder an den Verein erhöhen.
Für die Mitglieder:
1. Aktive Beteiligung: Die Mitglieder haben die Möglichkeit, sich aktiv in den Verein einzubringen und einen Beitrag zu seiner Entwicklung zu leisten.
2. Gemeinschaftsgefühl: Durch die gemeinsame Arbeit können die Mitglieder ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl zum Verein entwickeln.
3. Verständnis für den Verein: Durch die direkte Beteiligung an den Aufgaben des Vereins können die Mitglieder ein besseres Verständnis für die Herausforderungen und Anforderungen des Vereinsbetriebs gewinnen.
Frage: Was könnten das für Aufgaben sein um die Pflichtstunden zu erfüllen?
Rolf Tameling: Die sind vielfältig und ich glaube jeder kann hier ein Aufgabengebiet nach seinen Möglichkeiten finden.
1. Heckenschnitt: Die Pflege der Grünanlagen ist eine wichtige Aufgabe in einem Fußballverein. Dazu gehört auch der Heckenschnitt. Dies kann eine gute Möglichkeit sein, Pflichtstunden zu leisten, insbesondere in den wärmeren Monaten, wenn die Hecken wachsen.
2. Streichen der Kabinen: Im Winter, wenn der Spielbetrieb ruht, können Instandhaltungsarbeiten in den Kabinen durchgeführt werden. Dazu gehört auch das Streichen der Wände. Diese Aufgabe erfordert etwas handwerkliches Geschick, aber sie ist eine gute Möglichkeit, zur Verbesserung der Einrichtungen des Vereins beizutragen.
3. Organisation von Veranstaltungen: Fußballvereine organisieren oft Veranstaltungen, wie Turniere, Festivals oder Benefizspiele. Die Mitglieder können bei der Organisation und Durchführung dieser Veranstaltungen helfen. Dazu gehört die Planung, die Koordination der Teilnehmer, die Einrichtung der Veranstaltungsorte und die Betreuung der Gäste. Dies ist z.B. möglich beim Neujahrsturnier der 2. Herrenmannschaft oder Jugendturnieren. Auch könnte man ein Vereinsturnier mit den Herrenmannschaften und der A-Jugend organisieren
4. Unterstützung des Trainingsbetriebs: Die Mitglieder können auch bei der Durchführung der Trainingseinheiten im Jugendbereich helfen. Z.B. Temporär als CO Trainer bei einzelnen Trainingseinheiten.
Auch sind immer wieder Stellen vakant als Jugendtrainer oder aktuell als Athletiktrainer für den A-C Bereich.
Wir werden aber auch nach dem Bedarf schauen. Sollten wir die Gesamtpflichtstunden nicht erreichen, wird auch keine Zahlung fällig, wenn man keine Einsatzmöglichkeiten hatte.





